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Wasserstoffmobilität bewährt sich im Alltag

Noch sind in der Schweiz nur wenige Menschen mit einem durch Wasserstoff angetriebenen Elektroauto unterwegs. Petrosphäre sprach mit einem dieser Pioniere.

Herr Schäfer, Sie sind einer der Ersten in der Schweiz, der Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle im geschäftlichen und urbanen Alltag einsetzt. Was sind Ihre Erfahrungen damit?
Das überraschende am Hyundai ix35 Fuell Cell ist, dass es keine Überraschung ist, ihn zu fahren. Er hat all die Vorteile, die ein Elektroauto an den Tag legt – wie etwa gute Beschleunigung, keine Fahrgeräusche – aber mit dem grossen Unterschied, auch bei Eiseskälte wie zu Jahresbeginn eine reale Reichweite von 500 Kilometern zu haben. Und dies auch bei längeren Autobahndistanzen. Da es sich um einen Kompakt-SUV handelt, hat er, im Vergleich zu den meisten anderen Elektroautos, ein sehr reichhaltiges Platzangebot.

Wie sieht es im technischen Bereich aus?
Von der rein technischen Seite betrachtet, muss man einzig den Tankvorgang einmal gezeigt bekommen. Dieser funktioniert weltweit (!) mit einer genormten Tankpistole – was ich im Gegensatz zu den verschiedenen Varianten an E-Ladestationen sensationell finde. Ich hatte in den vergangenen 6 Monaten keinerlei Probleme und habe bereits über 5000 km zurückgelegt. Etwas Umgewöhnung braucht das Fahrzeug beim Abschalten der Brennstoffzelle bei sehr tiefen Temperaturen. Beim Ausschalten «bläst» der Wagen die Brennstoffzelle trocken und unter dem Fahrzeug entsteht eine kleine Wasserlache. Dieser Vorgang kann bis zu 7 Sekunden dauern – das ist es dann aber auch schon gewesen. Aber genau diesem Vorgang haben es die Hersteller zu verdanken, dass diese Technologie zuverlässig funktioniert und die Brennstoffzelle keinen Schaden nimmt – im Gegensatz zu den anfänglichen Versuchen vor über 10 Jahren.

Sie scheinen recht angetan zu sein von der Technologie, was man auch am Fahrzeug erkennen kann!
Natürlich ist unser Hyundai als Agenturfahrzeug auffällig gebrandet mit der Kernbotschaft «fährt mit Wasserstoff rein elektrisch». Das ist natürlich Absicht, denn optisch ist der ix35 ein normales Serienauto von Hyundai und keiner kann wissen, dass dieses mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Ich werde häufig beim Aus- oder Einsteigen auf das Fahrzeug und seine Besonderheiten angesprochen. Sozusagen ein sehr wirksames Kommunikations-Tool, das ja auch unserer Branche entspricht. Zentrale Frage dann auch immer «Wo tanken Sie?»

Genau: wo tanken Sie denn?
Auch hier scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Mittlerweile ist es kein Problem für mich von Zürich nach Berlin zu fahren. Und bei uns in der Schweiz scheint sich auch etwas zu tun. Meiner Einschätzung nach hat diese Technologie langfristig grosse Chancen am Markt, sofern die Herstellung von Wasserstoff auch mit Hilfe von erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird. Und für den Konsumenten bedeutet dies das Beste der uns heute bekannten Welten – rein elektrischer Antrieb, keine persönlichen Einbussen bei Komfort und Reichweite, und das bei sehr tiefen CO2-Emissionen über den gesamten Lebens- und Herstellungs-Zyklus gerechnet.

Zu guter Letzt eine persönliche Frage: Sie mögen auch Oldtimer: wo schlägt Ihr Herz höher?
Ganz ehrlich, schwer zu beantworten. Auf jeden Fall bin ich ein Car Guy – würde man wohl sagen. Durch den langen und persönlichen Bezug klar die Oldtimer. Sie erzählen Geschichten und bestechen durch eigenständiges Design aus der Vergangenheit. Und sie lassen sich von eigener Hand warten und pflegen. Fahrzeuge von heute sind voller Elektronik – da greift man besser nicht mehr selbst zum Schraubenschlüssel.