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Die dunklen Seiten der schönen neuen E-Mobilität

Wer mit der Zeit gehen will, verteufelt die Verbrennungsmotoren und preist die Elektroautos. Doch um deren Batterien herzustellen, braucht es jedoch Unmengen von Rohstoffen. Diese auszubeuten, ist alles andere als ökologisch.

Schwarz-Weiss-Weltbilder sehen zum Beispiel so aus: «E-Mobilität ist gut – Multis wie der Minenkonzern Glencore sind schlecht, weil sie Rohstoffe in Afrika ausbeuten.»

In der Realität hat das eine mit dem anderen zu tun. Die Achillesferse elektrisch angetriebener Fahrzeuge ist nach wie vor ihre Batterie. Bei der im Fahrzeugbau am meisten verwendeten Variante werden Mischoxide von Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan eingesetzt. Und diese Metalle sind nicht in unbegrenzter Menge verfügbar.

Beispiel hochreines Lithium: Davon stecken im Akku eines einzigen Tesla Model S mit 90 Kilowattstunden Leistung knapp 80 Kilogramm. Zum Vergleich: Für den Akku eines Smartphones wird weniger als ein Gramm benötigt. Förderung und Verarbeitung von Lithium sind extrem aufwendig; derzeit werden im Jahr rund 36’000 Tonnen produziert. Sollten im Jahr 2030 – so lauten etliche Prognosen – weltweit 40 Millionen E-Autos vom Band rollen, würden dafür bis zu drei Millionen Tonnen des Leichtmetalls benötigt. Kaum denkbar, dass die Produktion so schnell hochgefahren werden kann.

Beispiel Kobalt: Mehr als die Hälfte der bekannten Reserven liegen im politisch extrem instabilen Kongo, wo das Metall unter ökologisch und sozial desaströsen Bedingungen gewonnen wird, mit massiver Umweltzerstörung und Kinderarbeit. Schon 7-Jährige riskieren bei der Minenarbeit ihr Leben, damit die Automobilindustrie an ihre Rohstoffe kommt. In der Umgebung von Kobalt-Minen sind häufig die Böden und Gewässer verseucht und die Menschen krank. Zwar wird daran gearbeitet, die Abhängigkeit von dem problematischen Material zu verringern, aber die Kobaltnachfrage dürfte sich trotzdem allein in den kommenden zwei Jahren vervierfachen und bis 2030 mindestens verzehnfachen.

Nebst dem Batterie-Problem bleiben weitere hohe Hürden zu überwinden, damit die Elektro-Mobilität zum Durchbruch kommt. Eine davon ist der gigantische Energiebedarf bei der Umrüstung auf Elektroantrieb, eine andere das Leitungsnetz, welches der Verteilung dieser gewaltigen Mengen an Elektrizität gar nicht gewachsen ist. Sollte in Ländern wie der Schweiz das geforderte dichte Netz an schnellladenden Stromtankstellen entstehen, bräche diese Infrastruktur ohne eine milliardenschwere und langwierige Nachrüstung zusammen.

Statt um jeden Preis auf flächendeckende E-Mobilität zu setzen, wäre es sinnvoller, sie gezielt für den urbanen Bereich weiterzuentwickeln – und zwar mit leichten und leistungsgedrosselten Fahrzeugen, denn nur sie haben eine vernünftige Ökobilanz. Und gleichzeitig die Verbrennungsmotoren weiter zu optimieren.