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Also doch: Es geht um die Grösse!

Trotz Klimawandel und Parkplatznot: Die Absatzzahlen von grossen und schweren Autos sind besser denn je. Die Gründe dafür sind eher irrational.

Es wird immer enger auf den Strassen. Auch weil die Autos heute viel grösser sind als 1950, als man angefangen hat, die heutige Infrastruktur zu bauen. Wie viel die Autos zugelegt haben, hat der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer untersucht. Gemäss seiner aktuellen Studie war 1990 ein durchschnittlicher Neuwagen in Deutschland 1,679 Meter breit. Im letzten Jahr waren es 1,802 Meter, gut 7 Prozent mehr.

Für die reiche Schweiz fehlt eine solche Statistik. Betrachtet man jedoch das Durchschnittsgewicht, fällt das Ergebnis für das Alpenland noch viel deutlicher aus. Von 1990 bis 2016 legten die verkauften Neuwagen von rund 1,2 auf 1,57 Tonnen zu, eine Zunahme von 31 Prozent. Für Dudenhöffer steht denn auch fest: «In der Schweiz ist der durchschnittliche Neuwagen deutlich breiter als in Deutschland.»

Was sind die Gründe dafür? Nüchtern betrachtet, spricht einiges dagegen, ein grosses Auto zu kaufen:

  • Der Preis ist höher.
  • Die Steuer ebenso.
  • Einen Parkplatz zu finden, fordert Nerven – und wenn in Parkhäusern XXL-Felder bereitstehen, kosten sie auch mehr.
  • Man gerät in Erklärungsnot, wenn man trotz des Klimawandels ein überdimensioniertes Auto fährt.

Um den Trend zur Grösse zu erklären, verweist die Industrie auf die gestiegenen Ansprüche. Heute ist in Neuwagen viel Technik drin, die auch Platz braucht. Neuerdings baut man Fahrassistenten und Einparkhilfen ein. Die Hersteller behaupten, die aktuellen Sicherheitsanforderungen seien ohne vergrösserte Knautschzonen und noch mehr Airbags gar nicht zu erfüllen.

Rational gesehen lässt sich der Trend zur Grösse nur bedingt rechtfertigen. Auch moderne Kleinwagen wie der Opel Karl bestehen den Crash-Test. Was hingegen richtig ist: Viele Menschen fühlen sich in grossen Autos besser aufgehoben. Rein subjektiv. Dem Sicherheitsbedürfnis kommen die Konzerne mit viel Blech, Stahl und Kunststoff nach. Nicht zu vergessen die erhöhte Sitzposition. Man behält stets den Überblick und kann auf die anderen Verkehrsteilnehmer herunterblicken. Wobei, dieser Spass relativiert sich mit der zunehmenden Verbreitung der SUV. Es ist wie beim Wettrüsten. Wenn alle grosse Autos kaufen, ist die Sicht wieder gleich schlecht wie früher.

Wie irrational der Trend zur Grösse ist, lässt sich aus einer kleinen Anekdote heraushören. «Meine Frau fährt sehr schlecht Auto», sagte neulich ein Bekannter. «Jetzt habe ich ihr einen SUV gekauft, dann ist sie besser geschützt.» Fährt die Person grossspurig auf ihrem Zweieinhalb-Tönner vor, mag man sich gar nicht vorstellen, was passieren kann, falls sie in Fussgängernähe die Kontrolle über ihr Gefährt verliert.

Das subjektive Sicherheitsempfinden mag ein Grund sein, der den SUV-Boom teilweise zu erklären vermag. Dazu kommt das Prestigestreben. Der Automobil-Psychologe Rüdiger Hossiep sagte neulich in der «Zeit» über die neuen Grossstadtmodelle: «Das breitspurige, bullige Äussere vermittelt ein Gefühl der Stärke. Man wähnt sich überlegen. Es geht also viel um Statusgefühl, ums Ego.» Und Dudenhöffer ergänzt: «Grosse Autos sind verbunden mit mehr Innenraum. Das grössere Wohnzimmer ist halt exklusiver und komfortabler.»

Breiter und teurer


2,271
Meter misst die Breite des Tesla Model X mit Aussenspiegeln. Damit dürfte er alle derzeit in der Schweiz verkauften Autos übertreffen. Ebenfalls sehr breit sind: Audi Q7, Porsche Cayenne sowie Bentley Bentayga.

2,55
Meter beträgt die maximale Breite für Motorfahrzeuge. Die Parkplatzgrösse ist nicht gesetzlich geregelt. Normen empfehlen 2,5 Meter, als Mindestmass gilt 2,3 Meter.

5.20
Franken pro Stunde kostet tagsüber ein XXL-Parkplatz im Bahnhofparking in Bern. Der normale Tarif ist 4.30 Fr.