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Ist Wasser das neue Benzin?

Die Industrie setzt auf den Wasserstoff. Weltweit fördert eine Allianz von Autoherstellern mithilfe von Staatsgeldern den Wasserstoffantrieb. In der Schweiz baut Coop erste Wasserstoff-Tankstellen. Wie funktioniert der Motor?

Vielen gilt der Wasserstoffantrieb im Auto als zu teuer. Eine Allianz aus Autoherstellern sieht dagegen baldige Konkurrenzfähigkeit zu Benzin und Diesel. Daimler, BMW, der Gasproduzenten Linde und zehn weitere Unternehmen haben sich zum Hydrogen Council zusammengeschlossen. Jährlich investieren sie 1,4 Milliarden Euro in die Technik. Sie wollen helfen, die 2015 in Paris verabschiedeten Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen.

Hyundai-Chef Chung Mong-koo sagt: «Es hat grosse Fortschritte bei der Brennstoffzellen-Technologie gegeben.» Er sei zuversichtlich, dass die Technik schon bald konkurrenzfähig zu Benzin- und Dieselantrieben werde. «Wasserstoff ist eine der besten Antworten auf die Frage, wie man Energie speichern kann», sagte der Chef des französischen Multis Total, Patrick Pouyanne.

Heute wird das Gas (H2), das unter anderem in Erdöl, Erdgas und Wasser (H2O) gebunden ist, kaum als eigenständiger Treibstoff genutzt. Das wäre allerdings möglich: Im Verfahren der Elektrolyse kann man Wasserstoff aus Wasser isolieren und als flüssigen Energielieferanten in Autotanks speichern. Motoren mit Brennstoffzelle fügen Wasser- und Sauerstoff wieder zusammen, wodurch Energie für den Antrieb von Elektroautos entsteht. In die Umwelt gelangt lediglich Wasserdampf.

Gegenüber Batterien hat Wasserstoff den Vorteil, dass höhere Reichweiten möglich sind und die Betankung mittlerweile ähnlich schnell vor sich geht wie bei Benzin- und Dieselautos. Allerdings ist Wasserstoff ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann – in Wasserstofftankstellen bei 700 bar und minus 40 Grad Celsius.

Möglicherweise sind Brennstoffzellen besser geeignet, Fahrzeuge klimaschonend über lange Strecken zu bringen, als herkömmliche Elektroantriebe. Gegenwärtig reichen Stromspeicher in Autos maximal für 400 oder 500 Kilometer Fahrt. Für Ferntransporte mit schweren Lastwagen bringen Wasserstoffantriebe vielleicht in der Zukunft die entscheidende zusätzliche Reichweite.

Bislang fahren auf der Welt nur wenige tausend Brennstoffzellen-Wagen, global gibt es ganze 213 Tankstellen. In der Schweiz hat der Detailhändler Coop eine erste Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. In den kommenden Jahren möchte der Detailhändler ein schweizweites Netz solcher Tankstellen aufbauen. Er wird den Wasserstoff laut eigenen Angaben für einen Preis anbieten, der «sich mit den auf 100 Kilometer berechneten aktuellen Treibstoffpreisen vergleichen» lasse. Hergestellt wird der Wasserstoff mittels Elektrolyse am Laufwasserkraftwerk IBAarau in Aarau. Die Herstellung des Wasserstoffs findet vor allem dann statt, wenn die Nachfrage nach Strom im Netz gering ist. Neben Tankstellen verfügt Coop auch über eine kleine Flotte von Wasserstofffahrzeugen. Dazu gehört auch ein Lastwagen, der für die Belieferung von Supermärkten eingesetzt wird.