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Autostopp? Gibt es jetzt auch als Verein

Autostopp, liebste Mobilität der Achtundsechziger, kommt als nachhaltiges Carsharing wieder in Mode. Gleichgesinnte in der Schweiz haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen.

Der Ökologiestudent Daniel Slodowicz war viel auf Reisen, ausschliesslich per Autostopp. In Freiburg hat er studiert, übers Wochenende Freunde und Familie in Augsburg besucht, sich dafür an die Strasse stellt und den Daumen rausstreckt. Nichts günstiger als das.

Auch nichts ökologischer als das. Autostoppen passte 1968 zum Zeitgeist der gleichnamigen Jugendbewegung, ihrem Lebensgefühl von Freiheit, alternativen Lebens- und also Fortbewegungsformen. 50 Jahren später liegt Autostoppen wieder voll im Trend, diesmal einer nachhaltigen Mobilität, im Sinne einer spontanen Mitfahrgelegenheit. Wer mitfährt, verursacht keine zusätzlichen Emissionen. Auch Mitfahrzentralen bieten Mitfahrgelegenheiten an, zwar in einer organisierten Form, doch nicht immer für die gesuchte Strecke. 

Für Autostopp-Neulinge hat Slodowicz Tipps auf Lager: «An Autobahn-Raststätten ist die Chance, mitgenommen zu werden, am grössten. Da muss man auf die Leute zugehen und freundlich fragen, ob man mitfahren darf.» Beim Stöppeln an der Strasse sei entscheidend, wo man sich positioniere. «Die Autos müssen Platz haben, um anzuhalten und dich einsteigen zu lassen. Innerorts funktioniert besser als ausserorts.»

Um dem einst anrüchigen Autostoppen einen seriösen Rahmen zu geben, hat Slodowicz im Dezember 2014 den ersten Schweizer Autostopp-Verein gegründet. Seither hat der Verein 4 Schweizermeisterschaften im Autostopp durchgeführt. Es gilt, eine Strecke von A nach B per Autostopp möglichst schnell zurückzulegen, zuletzt von Fribourg nach Disentis. 22 internationale Zweierteams haben teilgenommen. Die Meisterschaften funktionieren nach dem Ur-Olympischen Prinzip: Mitmachen ist wichtiger als gewinnen. «Es geht ums Abbauen von Vorurteilen und ums Sammeln positiver Erfahrungen beim Autostoppen», sagt Slodowicz. «Die Teilnehmenden sollen erfahren, dass Autostoppen ungefährlich ist und Spass macht.» Nebst dem ökologischen Aspekt steht der soziale im Vordergrund. Ein Gespräch mit Fremden zu beginnen, sei nicht immer einfach und erfordere Überwindung, sagt Slodowicz. Sei das Eis erstmal gebrochen, lerne man neue Menschen und Welten kennen. Nicht alle Vorurteile kann der Verein entkräften. Die letzten Autostopp-Meisterschaften gewonnen haben zwei hübsche Frauen aus Tschechien.