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Wie kann man effizient das Klima schützen?

Roland Bilang (*1962) ist seit 2013 Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung. Zuvor war er während über zehn Jahren in einer international tätigen PR-Agentur angestellt, unter anderem als Mitglied der Geschäftsleitung. Er leitete während sieben Jahren die Geschäftsstelle des Nuklearforums Schweiz. Roland Bilang ist diplomierter Ingenieur-Agronom und promovierter Naturwissenschafter ETH.

Herr Bilang, die Umweltministerin Doris Leuthard ist zuversichtlich, dass die Schweiz bis 2020 den Ausstoss an klimaschädlichen Gasen um 20 Prozent unter die Marke von 1990 senken und damit das Klimaziel erreichen kann. Teilen Sie den Optimismus?
2020 ist ein Etappenziel. Laut Bundesamt für Umwelt soll der CO2-Ausstoss bis 2025 rund 35 Prozent und bis 2030 sogar 50 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen. Damit gibt sich die Schweiz ambitionierter als etwa Norwegen und die EU-28, beide setzen auf eine 40-Prozent-Reduktion bis 2030, und viel ambitionierter als die USA, wo man die 1990er Emissionen bis 2025 um rund 14 Prozent reduzieren möchte. Was unsere Schweizer Ziele betrifft, bin ich vor allem in Bezug auf diesen weiteren Zeithorizont eher skeptisch.

Weshalb?
Ich zweifle, ob das Ziel mit einem vernünftigen Aufwand tatsächlich zu erreichen ist. Zudem frage ich mich, ob es wirklich zielführend ist, wenn die Schweiz mit ihrem weltweit eigentlich unbedeutenden CO2-Ausstoss um jeden Preis die Musterschülerin spielen will.

Sie sprechen von einem «vernünftigen Aufwand». Was verstehen Sie darunter?
Die Schweiz senkt ihren CO2-Ausstoss bereits erfolgreich, und dies trotz Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Der CO2-Ausstoss von Treibstoffen ist seit sieben Jahren rückläufig, dies trotz steigendem Motorwagenbestand. Bei den Brennstoffen ist der Rückgang seit 1990 sehr deutlich, wir befinden uns auf Zielkurs. Pro Kopf der Bevölkerung stossen wir weniger CO2 aus als die anderen europäischen Industriestaaten. Das Einsparpotenzial ist bei uns also vielerorts ausgeschöpft und es wird zunehmend aufwändiger, den CO2-Ausstoss zu reduzieren.

Dies im Gegensatz zum Ausland?
In vielen anderen Ländern ist die Situation in der Tat genau umgekehrt. Da gibt es viele «low hanging fruits», wo der CO2-Ausstoss mit verhältnismässig geringem Aufwand massgeblich reduziert werden kann, oder besser gesagt: reduziert werden könnte. Leider sieht das CO2-Gesetz aber vor, dass Schweizer Unternehmen die CO2-Reduktion im Inland zu erzielen haben. Das finde ich ineffizient.

Sie wollen also darauf hinaus, dass mit den gleichen finanziellen Mitteln über ausländische CO2-Zertifikate effizienter Klimaschutz betrieben werden könnte, als mit einer mehrheitlichen Beschränkung auf inländische Massnahmen?
Genau. Und ich erkläre es mit einem konkreten Beispiel: Mit dem Programm Klimarappen konnten zwischen 2008 und 2012 rund 21,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, zu einem Preis von 36 Franken pro Tonne. Davon entfielen fast 19 Millionen Tonnen auf ausländische Programme. Beim Nachfolgeprogramm der Stiftung Klik schreibt das Gesetz vor, dass die Einsparungen im Inland zu erfolgen haben. Resultat: zwischen 2013 und 2020 werden voraussichtlich 6,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart, zu einem Preis von bis zu 130 Franken pro Tonne. So etwas nenne ich eine Verschwendung von Mitteln und vor allem nicht den bestmöglichen Klimaschutz.

Was spricht denn dagegen, dass Schweizer Unternehmen ihren CO2-Ausstoss vermehrt im Ausland kompensieren?
Überhaupt nichts. Das Klima macht ja an der Landesgrenze nicht halt. Im Gegenteil: wenn wir unsere Knowhow und die uns zur Verfügung stehenden Mittel optimal im Sinne des Klimaschutzes einsetzen wollen, sind wir geradezu verpflichtet, dies weltweit zu tun. Unser heutiges Gebaren beim Klimaschutz kann niemandem als Vorbild dienen, weil es sich niemand leisten kann oder will.

Könnte sich daran bald etwas ändern?
Geht es nach dem Bundesrat, dürfen Unternehmen auch in Zukunft lediglich 20 Prozent ihres CO2-Ausstosses im Ausland kompensieren. Dies, obwohl mit dem gleichen Geldbetrag im Ausland deutlich mehr CO2 eingespart werden könnte. Selbst das Bundesamt für Umwelt taxiert die Vermeidungskosten als «hoch» und das «kurzfristige kosteneffiziente Minderungspotenzial» als «beschränkt». Weite Kreise sind sich einig, dass die Ziele des Bundesrats alleine mit Massnahmen im Inland nicht zu erreichen sind. Wenn es uns ernst ist mit dem Klimaschutz, müssen wir mindestens die Hälfte der Reduktion im Ausland erzielen können.

Roland Bilang, Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung

Klimaschutz durch CO2-Kompensation

Seit Anfang 2013 besteht eine gesetzliche CO2-Kompensationspflicht für Importeure von fossilen Treibstoffen. Sie schreibt vor, dass Importeure bis 2020 in zunehmenden Anteilen 10 Prozent der beim Verbrauch von Benzin und Diesel entstehenden CO2-Emissionen durch CO2-Reduktionsmassnahmen im Inland kompensieren. Eine mögliche Massnahme zur CO2-Kompensation ist die Beimischung von Biotreibstoffen, was von immer mehr Treibstoffhändlern auch praktiziert wird. Die Treibstoffnormen in der Schweiz erlauben, dass dem Diesel bis zu 7 Prozent Biodiesel beigemischt wird, dem Benzin bis zu 5 Prozent Bioethanol. Dabei müssen die beigemischten Biotreibstoffe hohen ökologischen und sozialen Mindestanforderungen genügen. Seit Ende 2014 hat eine Zunahme bei der Beimischung sowohl von Ethanol zu Benzin ab, als auch von Biodiesel (FAME) zu Diesel stattgefunden. Zudem kann die Kompensationspflicht über die Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation (Klik) wahrgenommen werden. KliK erfüllt anstelle der Mineralölgesellschaften, welche fossile Treibstoffe in Verkehr bringen, deren gesetzliche Kompensationspflicht. Dazu fördert sie Projekte in der Schweiz, die den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren und trägt so aktiv zu einem nachhaltigen Klimaschutz bei.

Interview: Robert Wildi