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Movimento

© Ulrich Gribi
Mix

Silent Cars: Bilder vom Auto-Friedhof

Ästhetik der nostalgischen Art: Der Berner Fotograf Ulrich Gribi hat einem berühmt berüchtigten Auto-Friedhof ein Fotobuch gewidmet.

Landesweit sorgte ein Berner Auto-Friedhof für Schlagzeilen. Dessen Wracks gingen bis aufs Jahr 1933 zurück, als Walter Messerli in Kaufdorf begann, mit Autoersatzteilen zu handeln. Die ausgedienten Fahrzeuge stellte er auf dem Landwirtschaftsland seiner Eltern ab. Aus der Abfalldeponie wurde im Laufe der Jahrzehnte eine ästhetisch interessante Freilicht-Ausstellung.

Die Zahl der deponierten Autos und Töffs wuchs stetig an, bald zum Ärger der Behörden. 1971 verlangte der Kanton erstmals die Räumung des Autofriedhofs. 1975 übernahm Sohn Franz Messerli den Betrieb, der Autofriedhof wuchs weiter. In den Achtzigerjahren besuchte der Hobbyfotograf Gribi erstmals den etwas verwunschenen Ort, als Mitglied des Fotoclubs Solothurn. Gribi war fasziniert.


2004 verfügte die Gemeinde die Sanierung des Geländes. Messerli wehrte sich ohne Erfolg, der Gang bis vor Bundesgericht erwies sich am Ende als zwecklos. Dieses entschied im Herbst 2006, dass Messerli den Friedhof räumen muss. Bevor es soweit kam, wollte ihn der Hobbyfotograf Gribi auf Bildern festhalten. Von 2007 bis 2009 besuchte er das Areal regelmässig, zu jeder Jahreszeit und zu jeder Tages-und Nachtzeit. Nach mehreren Verzögerungen wurde der Autofriedhof im Mai 2010 definitiv geräumt.

Jahre später, nach seiner Pensionierung, fand der Hobbyfotograf die Zeit, die Bilder in einem Fotobuch herauszugeben, unter dem eingängigen Titel: «silent cars». Als Kommentar dazu schreibt Gribi: «Seit jeher vertrete ich die Anliegen des Umweltschutzes; aber dort, an diesem Ort lösten die vor sich hin rostenden Autoskelette in mir stets unbeschreibliche nostalgische Gefühle aus. Zwischen den von Moos und Sträuchern überwachsenen Autowracks zu stehen, liess einen innehalten, und man fragt sich heute, ob dieser Ort nicht als Kulturdenkmal besonderer Art, trotz den Anliegen des Umweltschutzes, doch hätte erhalten werden sollen; denn nirgends zeigt uns die Natur deutlicher, mit welch unglaublicher Kraft sie mit der Zeit all das wieder zurücknimmt, was wir ihr einst als Fabrikationsrohstoffe mit grossem Aufwand abgerungen haben.»