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© Mercedes-Benz Classic
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Wie eine Frau dem Auto zum Durchbruch verhalf

Am 5. August 1888 morgens um 3 Uhr stieg Berta Benz mit ihren Kindern heimlich ins Auto und fuhr 109 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Eine Pionierfahrt mit Folgen.

Ein mutiger Schritt einer Frau – ein grosser Schritt für die Menschheit. Carl Benz hatte mit dem geerbten Geld seiner Frau Berta bereits 1886 das Auto in Form eines motorisierten Dreiradwagens erfunden und beim Patentamt angemeldet. Allein: Kaufen wollte das neuartige Fahrzeug niemand. Es hiess, damit liesse sich keine längere Strecke zurücklegen. Das Auto mache viel Lärm um nichts.

Carl Benz selber war eher zurückhaltender und zögerlicher Natur. Auch in seiner dritten Variante war ihm das Fahrzeug nicht perfekt genug. Er war mehr Tüftler denn Geschäftsmann. Und einschüchtern liess er sich von den Behörden, die ihm ein Fahrverbot erteilten, weil die knatternden Wagen die Pferde scheu machten.

Selbst ist die Frau

Gross war also die Mutprobe, welche Berta Benz unternahm, als sie heimlich und vermutlich gegen den Willen ihres Mannes morgens um Drei ihre Buben weckte und die Reise nach Pforzheim antrat. Sie fuhr geradewegs ins Neuland. Würde das Auto die erste Überlandfahrt schaffen? Oder auf der Strecke bleiben?

Autofahren war damals Männersache und eine schmutzige Angelegenheit. Einer Frau hätte man eine Überlandfahrt zuletzt zugetraut. Die riesigen Wagen zu lenken oder auch nur zum Laufen zu bekommen, brauchte viel Kraft. Das Schwungrad zu starten, konnte Hände blutig machen. Und heisses Motoröl, welches aus dem Motorrad spritzte, die Beine verbrennen.


Strumpfband und Hutnadel

Aber von solchen Widerwärtigkeiten liess sich die draufgängerische Berta nicht abhalten. Und auch von Problemen unterwegs nicht. Ging die Überlandstrasse bergauf und geriet das Fahrzeug ins Stocken, schickte sie den älteren Sohn Richard nach hinten zum Schieben. Und bei zwei Pannen bewies sie handwerkliches Geschick und eine Improvisationsgabe mit weiblichen Utensilien. Eine Benzinleitung hat sie kurzerhand mit der Hutnadel entstopft, die Zündung mit einem Strumpfband zusammengeflickt.


Alle wollen «Benzine» fahren

Als die unerschrockene Auto-Pionierin nach der anstrengenden Reise schliesslich in Pforzheim ankam, war ihre Mutter verreist. Eine Reise also ganz umsonst? Mitnichten! Die gelungene Überlandfahrt sorgte in Pforzheim für riesiges Aufsehen. Unzählige Menschen wollten mit «Benzine» fahren, wie der Wagen von den Pforzheimern genannt wurde.

Bertha genoss die Aufmerksamkeit in ihrer Heimatstadt. Sie blieb drei Tage, bevor sie sich wieder auf den Rückweg machte. Die Überlandfahrt sprach sich in ganz Deutschland herum und fortan begann das Auto seinen Triumphzug.